Funktion wiederherstellen

Poststroke Depression

Ziel ist es, die komplexe Interaktion zwischen Schlaganfall und Depressivität weiter mechanistisch aufzuklären.
Fortsetzung/Projektbeschreibung

AG Endres
AG Gertz

Projektbeschreibung

Die Pathomechanismen, die der Entwicklung einer Depression nach Schlaganfall zugrunde liegen, sind nicht zuletzt durch einen anhaltenden Mangel an Tiermodellen bislang nur wenig verstanden. In einer Reihe von Experimenten konnten wir in einem gut beschriebenen Schlaganfallmodell – der transienten milden zerebralen Ischämie in der Maus – zeigen, dass die Tiere einen Depressions-ähnlichen Phänotyp entwickeln. Dieser depressive Phänotyp, der durch Anhedonie, erhöhte Ängstlichkeit und Verzweiflung gekennzeichnet ist, entsteht in der Maus bei Infarkten, die die linke Hirnhälfte betreffen, jedoch nicht nach rechtsseitigen Infarkten. Dieses Untersuchungsergebnis greift die langanhaltende Kontroverse in der klinischen Literatur auf, die eine seitenabhängige bzw. lokalisatorische Ursache für die Entwicklung einer Depression nach Schlaganfall diskutiert.

Zudem war das affektive Syndrom nach Schlaganfall assoziiert mit strukturellen und funktionellen Veränderungen im mesolimbischen Belohnungssystem. Genauer gesagt konnte neben der Entwicklung der primären Läsion im Striatum auch verzögert eine exofokale Neurodegeneration von dopaminergen Neuronen im ipsilateralen Mittelhirn beobachtet werden. Dies ging mit reduzierten Dopaminkonzentrationen und zugleich erhöhten BDNF (brain-derived neurotrophic factor) Proteinspiegeln im ischämischen Striatum einher. Unsere Ergebnisse legen daher einen biologischen Mechanismus für die Entwicklung einer Depression nach Schlaganfall nahe.

Eine dauerhafte tägliche Behandlung mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitor (selective serotonin reuptake inhibitor, SSRI) Citalopram, die erst sieben Tage nach dem Ereignis initiiert wurde, hob nicht nur den Verhaltens-Phänotyp auf. Überraschenderweise verhinderte die Citalopramgabe auch größtenteils die Degeneration der dopaminergen Neurone im Mittelhirn, schwächte das Ausmaß der Atrophie im Striatum und verhinderte die Reduktion der Dopaminkonzentrationen im Striatum. Der Schutz vor einer sekundären neuronalen Schädigung nach Schlaganfall könnte daher einen neuen Ansatz darstellen, um das Langzeitergebnis nach Schlaganfall zu verbessern.

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