Die MonDAFIS Studie – erweiterte EKG-Diagnostik nach Schlaganfall

Principal Investigator Prof. Dr. med. Matthias Endres
Matthias Endres

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung weltweit und betrifft derzeit etwa 2 Prozent aller Bundesbürger. Im Zuge der demographischen Entwicklung in Deutschland wird sich die Zahl der Betroffenen weiter erhöhen, da Vorhofflimmern vornehmlich bei älteren Menschen auftritt. Sowohl passageres – d.h. wiederholtes kurzzeitiges – als auch dauerhaft bestehendes Vorhofflimmern gehen dabei mit einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Es ist davon auszugehen, dass Vorhofflimmern derzeit etwa jeden fünften Schlaganfall in Deutschland bedingt. Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern haben im Vergleich zu Schlaganfallpatienten ohne Vorhofflimmern ein höheres Risiko für einen erneuten Schlaganfall. Der Nachweis eines Vorhofflimmerns ist daher wichtig, stellt jedoch eine diagnostische Herausforderung dar, da diese Herzrhythmusstörung oft nur passager besteht und sehr häufig von den Betroffenen nicht bemerkt wird. Trotz einer bereits intensiven EKG-Ableitung im Akutkrankenhaus, wird bei einem relevanten Teil der Schlaganfallpatienten im Verlauf der nächsten Monate noch ein passageres Vorhofflimmern entdeckt, was in vielen Fällen zu einer Umstellung der medikamentösen Schlaganfallprävention führt.

Koordinierender Studienleiter Priv.-Doz. Dr. med. Karl Georg Häusler
Karl Georg Häusler

Die MonDAFIS („Impact of standardized MONitoring for Detection of Atrial Fibrillation in Ischemic Stroke“) Studie untersucht daher die Wertigkeit eines erweiterten stationären EKG-Monitorings für die Entdeckung eines bisher nicht bekannten Vorhofflimmerns bei Patienten mit einem akuten ischämischen Schlaganfall. Im Rahmen der randomisierten MonDAFIS Studie erhalten daher die Hälfte der in die Studie eingeschlossenen Patienten ein zusätzliches Langzeit-EKG mit einer Aufzeichnungsdauer von bis zu sieben Tagen. An deutschlandweit etwa 35 Studienzentren mit zertifizierter Stroke Unit sollen über eine Laufzeit von etwa zwei Jahren insgesamt 3470 Patienten eingeschlossen und über zwei Jahre nachverfolgt werden. Das Ziel ist zu klären, ob eine bessere Detektion von Vorhofflimmern durch ein verlängertes stationäres EKG-Monitoring einen relevanten Einfluss auf die medikamentöse Schlaganfallprävention besitzt und möglicherweise dazu beitragen kann, weitere kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern. Die Studienzentrale der durch das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) organisierten MonDAFIS Studie befindet sich an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Studienleiter ist Herr Prof. Dr. Matthias Endres. Finanziell wird die MonDAFIS Studie durch die Bayer Vital GmbH, Bayer HealthCare Pharmaceuticals (Leverkusen, Deutschland) unterstützt.


Glossar

Vorhofflimmern

Das Herz besteht aus zwei Vorhöfen und zwei größeren Herzkammern. Bei einem regulären Herzschlag ziehen sich erst die Vorhöfe zusammen, um das Blut in die Herzkammern zu pumpen. Im Anschluss pumpen die Herzkammern das Blut in den Kreislauf. Beim Vorhofflimmern ziehen sich die Vorhöfe häufiger zusammen als die Herzkammern, der Puls ist unregelmäßig.

EKG-Monitoring

Der Nachweis von Vorhofflimmern mittels eines EKGs stellt eine diagnostische Herausforderung dar, da Vorhofflimmern bei einem Teil der Patienten ohne klinische Symptome einhergeht und (gerade zu Beginn der Erkrankung) auch nur intermittierend auftreten kann.

Ischämischer Schlaganfall

Etwa 85 Prozent aller Schlaganfälle werden durch einen (zumindest zwischenzeitlichen) Verschluss eines hirnversorgenden Blutgefäßes bedingt. Man spricht in diesem Fall von einem so genanntem "ischämischen Schlaganfall". Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle werden hingegen durch eine Blutung im Gehirn bedingt.

Randomisierte Studie

In einer randomisierten Studie wird eine Studiengruppe, die die zu prüfende Therapie oder Behandlung erhält, mit einer Kontrollgruppe verglichen. Die Zuordnung zu diesen Gruppen erfolgt nach dem Zufallsprinzip.

Kardiovaskuläres Ereignis

Ein kardiovaskuläres Ereignis betrifft das Herz oder das Gefäßsystem, wie beispielsweise ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.

Stroke Unit

Eine Stroke Unit ist eine Spezialstation zur Behandlung und Therapie von Schlaganfallpatienten. Der Begriff ist nicht geschützt, aber es gibt in Deutschland ein standardisiertes Zertifizierungsverfahren.

Weitere Informationen zur MonDAFIS Studie finden Sie hier auf der CSB-Website und auf Clinicaltrial.gov unter NCT02204267.

Wenn Sie Fragen zur Studie haben sollten, können Sie das Studienteam gern über mondafis(at)charite.de kontaktieren.

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