03.07.2017

Paper of the Month 06/2017

Philipp Euskirchen

Same-day genomic and epigenomic diagnosis of brain tumors using real-time nanopore sequencing.

Euskirchen P, Bielle F, Labreche K, Kloosterman WP, Rosenberg S, Daniau M, Schmitt C, Masliah-Planchon J, Bourdeaut F, Dehais C, Marie Y, Delattre JY, Idbaih A.
Acta Neuropathol. 2017 Jun 21. doi: 10.1007/s00401-017-1743-5. [Epub ahead of print]
PMID: 28638988

PubMed


Die Diagnostik von Krebserkrankungen beruht traditionell auf der histopathologischen Untersuchung von Tumorgewebe. Mit einer umfassenden Überarbeitung der WHO-Klassifikation von ZNS-Tumoren hat 2016 nun erstmals das Konzept einer integrierten, auf Histologie und Molekularbiologie basierenden Diagnose Einzug in die klinische Praxis gehalten. Gegenwärtig halten jedoch nur spezialisierte Zentren die nötigen Technologien vor und aufgrund der aufwendigen Probenbearbeitung verzögert sich die endgültige Diagnose um Wochen.

Im Rahmen der Studie wurde eine neue Sequenziertechnologie für die Krebsdiagnostik evaluiert: Vorteile dieser Nanopore-Sequenzierung sind minimale Anschaffungskosten sowie die Möglichkeit, Daten in Echtzeit zu gewinnen und Basenmodifikationen in nativer DNA zu identifizieren. So können simultan genomweit strukturelle Chromosomenveränderungen und epigenetische Veränderungen (CpG-Methylierung) erfasst werden. Die Studie zeigt, dass die von der WHO-Klassifikation geforderten Tests für verschiedene Hirntumore (1p/19q-Kodeletion, IDH- und TP53-Mutationen) binnen eines Arbeitstags durchgeführt werden können. Damit wird eine flächendeckende Umsetzung molekularer Charakterisierung von Tumoren möglich, um eine zeitnahe und präzise Diagnose als Grundlage für eine personalisierte Therapie zu stellen.

Der Ansatz reicht aber weit darüber hinaus: Epigenetische Veränderungen beschreiben einen für jede Tumorentität charakteristischen, molekularen Fingerabdruck. Dieser kann genutzt werden, um eine präzise Krebsdiagnose aus einer DNA-Probezu stellen. In der Studie konnten Gliome, Medulloblastome, ihre prognostisch bedeutsamen Subtypen sowie der Ursprung von Hirnmetastasen allein anhand des Methylierungsprofils identifiziert werden.


Dr. med. Philipp Euskirchen ist Assistenzarzt ander Klinik für Neurologie und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG Harms. Sein Forschungsschwerpunkt ist die molekulare und zelluläre Heterogenität von Hirntumoren. 

Ahmed Idbaih, M.D., Ph.D. ist klinischer Neuroonkologe am Universitätsklinikum Pitié-Salpêtrière in Paris und leitet die Arbeitsgruppe GlioTeX. Schwerpunkt ist die präklinische Erforschung neuer Therapieformen beim Glioblastom. 

Die Veröffentlichung des Jahres wird von den Oberärzten der Neuorologie und den AG Leitern des CSB aus den Paper of the Month mittels Abstimmung gewählt.

Zurück zur Übersicht
Logo Centrum für Schlaganfallforschung Berlin
Logo Bundesministerium für Bildung und Forschung Logo Charité Berlin Logo MDC
© 2017 CSB | TYPO3 Website von Kombinat Berlin