02.03.2017

Paper of the Month 02/2017

Marcel Kopp

Long-term functional outcome in patients with acquired infections after acute spinal cord injury.

Marcel A. Kopp*, Ralf Watzlawick*, Peter Martus*, Vieri Failli, Felix W. Finkenstaedt, Yuying Chen, Michael J. DeVivo, Ulrich Dirnagl, Jan M. Schwab.
Neurology. 2017; Feb 28;88(9):892-900.
*contributed equally

PubMed

Infektionen sind eine der häufigsten Komplikationen in der Akutphase nach traumatischer Querschnittlähmung. In dieser multizentrischen Kohortenstudie wurde erstmals die Hypothese geprüft, ob Infektionen mit schlechterem Langzeitergebnis (outcome) nach Rückenmarkverletzung assoziiert sind. Die Existenz sogenannter outcome-modifizierender Faktoren erscheint aufgrund interindividuell variierender funktioneller Regenerationsniveaus bei vergleichbarer Verletzungsschwere und Höhe wahrscheinlich.  

In Zusammenarbeit mit der prospektiven National Spinal Cord Injury Database (Birmingham, AL, USA) wurde untersucht, ob während der Akutbehandlung oder Erstrehabilitation nach Rückenmarkverletzung erworbene Pneumonien oder postoperative Wundinfektionen ein unabhängiger Risikoindikator für geringere funktionelle Erholung und konstant erhöhte Mortalität sind. Hierzu wurden Datensätze von 1.203 Patienten mit akuter zervikaler Querschnittlähmung mittels adjustierter gemischter Modelle beziehungsweise Cox-Regression analysiert. Primärer Endpunkt war die Verbesserung des motorischen Functional Independence Measure (FIMmotor) innerhalb von fünf Jahren. Sekundärer Endpunkt war das Gesamtüberleben bis zehn Jahre nach Rückenmarkverletzung.  

Erworbene Pneumonien oder Wundinfektionen sind mit einer signifikant schlechteren Funktionserholung bis fünf Jahre nach Rückenmarkverletzung assoziiert – sowohl in der Analyse nach multipler Imputation fehlender Werte (-7,4 FIMmotor Punkte; 95% KI -11,5 bis -3,3; p<0,01) als auch innerhalb der vollständig dokumentierten Fälle (-5,2 FIMmotor Punkte; 95% KI -8,4 bis -2,0; p<0,01). Weiterhin wurden Pneumonien oder Wundinfektionen als Risikomarker für das Versterben bis zehn Jahre nach Rückenmarkverletzung identifiziert (Hazard Ratio 1,65; 95%; KI 1,26 – 2,16; p<0,001).  

Im frühen Verlauf einer Rückenmarkverletzung erworbene Infektionen sind mit erhöhtem Behinderungsgrad und langfristig gesteigerter Mortalität assoziiert. Infektionen imponieren als outcome-relevante Einflussgrößen, deren konsequente Vorbeugung und Therapie das funktionelle Rehabilitationsergebnis sowie das Langzeitüberleben Querschnittgelähmter verbessern kann.

Marcel Kopp ist Studienarzt und stellvertretender Leiter der AG-Schwab (Spinal Cord Injury Research) in der Experimentellen Neurologie, CCM.

Ralf Watzlawick war als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG-Schwab tätig und ist aktuell Assistenzarzt an der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Freiburg im Breisgau.

Peter Martus ist Direktor des Instituts für Klinische Epidemiologie und Angewandte Biometrie (IKEaB) am Universitätsklinikum Tübingen.

Jan Schwab ist AG-Leiter der Experimentellen Neurologie, CCM, William E. Hunt & Charlotte M. Curtis Chair und Direktor der Spinal Cord Injury Medicine an der Ohio State University – Wexner Medical Center, Columbus, USA.

 

Die Veröffentlichung des Jahres wird von den Oberärzten der Neuorologie und den AG Leitern des CSB aus den Paper of the Month mittels Abstimmung gewählt.

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